Viele Arbeitnehmer*innen mussten während der Corona Pandemie plötzlich im HomeOffice arbeiten. Diese Umstellung stellte eine grosse Herausforderung für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen dar.

ValueQuest hat in einer repräsentativen Befragung bei Arbeitnehmer*innen in der Deutschschweiz untersucht, in welcher Form während der Pandemie gearbeitet wurde und die entsprechenden Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation analysiert. Die Befragung fand im April 2022 statt. Es wurden 606 Angestellte aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor befragt.

Wo wurde während der Pandemie mehrheitlich gearbeitet?

Die untenstehende Grafik zeigt, dass die eine Hälfte der Befragten während Corona fast ausschliesslich am offiziellen Arbeitsplatz gearbeitet hat, während die andere Hälfte in unterschiedlichen Ausprägungen im HomeOffice tätig war. Davon ganze 30% mehrheitlich oder ausschliesslich.

Abbildung 1: Arbeitsort während Pandemie 
Abbildung 1: Arbeitsort während Pandemie 

Grosse Unterschiede nach Branchen

In privatwirtschaftlichen Unternehmen haben 14% der Beschäftigten (fast) ausschliesslich im HomeOffice gearbeitet, in Organisationen des öffentlichen Dienstes (inkl. Gesundheitswesen) waren es nur 8%. Die Finanz-, Beratungs- und IT-Branche hebt sich deutlich ab mit 30% Mitarbeiter*innen, die fast ausschliesslich im HomeOffice gearbeitet haben.

Je grösser die Organisation, desto öfters wurde im HomeOffice gearbeitet

In der folgenden Grafik sieht man, dass die Mitarbeitenden von Unternehmen ab einer Grösse von 250 Personen deutlich häufiger – mehrheitlich oder fast ausschliesslich –  im HomeOffice gearbeitet haben als dies bei Unternehmen mit weniger als 250 Angestellten der Fall war.

Abbildung 2: Arbeiten im HomeOffice aufgeteilt nach Organisationsgrösse
Abbildung 2: Arbeiten im HomeOffice aufgeteilt nach Organisationsgrösse

Die Studie hat zudem aufgezeigt, dass Arbeitnehmer*innen mit einem höherem Einkommen (und höherer Bildung) öfters im HomeOffice gearbeitet haben.

Abbildung 3: Arbeiten im HomeOffice aufgeteilt nach Lohnhöhe
Abbildung 3: Arbeiten im HomeOffice aufgeteilt nach Lohnhöhe

Auswirkungen von HomeOffice auf die Motivation der Mitarbeitenden

Für Arbeitgeber ist es wichtig zu verstehen, wie sich die Arbeit im HomeOffice auf die Motivation der Mitarbeitenden auswirkt. Wurden das Engagement und die Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert oder hatte das Arbeiten im HomeOffice eventuell einen negativen Einfluss?

Abbildung 4: Mitarbeitermotivation - differenziert nach HomeOffice
Abbildung 4: Mitarbeitermotivation – differenziert nach HomeOffice. Basis sind die Angestellten in privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Der Chart zeigt den Anteil an Mitarbeiter*innen mit einer starken / hohen Ausprägung verschiedener Indikatoren im Bereich der Mitarbeitermotivation. Insgesamt haben 51% der Mitarbeitenden – die mehrheitlich oder ganz im HomeOffice gearbeitet haben – eine hohe Motivation. Bei den Mitarbeitenden, die vorwiegend am offiziellen Arbeitsplatz gearbeitet haben, sind es nur 37%.

Während die Unterschiede bei den Aspekten zur Arbeitszufriedenheit (bewirken, freuen, vertrauen, dazugehören) weniger ausgeprägt sind, gibt es grosse Unterschiede beim Commitment (bleiben, identifizieren, leisten), insbesondere bei grösseren Unternehmen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der subjektiv wahrgenommenen Veränderung der Arbeitszufriedenheit in den letzten 12 Monaten. Bei 29% der Personen, die (mehrheitlich) im HomeOffice tätig waren, hat sich die Arbeitszufriedenheit verbessert, bei 19% verschlechtert. Bei den Arbeitnehmer*innen, die (mehrheitlich) am offiziellen Arbeitsplatz gearbeitet haben, sind die Werte viel kritischer. Die Arbeitszufriedenheit hat bei gerade mal 21% der Befragten zugenommen, bei 34% der Befragten hat sie abgenommen.

Diese Aussage gilt für die Unternehmen aus der Privatwirtschaft und für diejenigen aus der öffentlichen Verwaltung. Wobei zu beachten ist, dass in der öffentlichen Verwaltung und insbesondere im Gesundheitswesen die Möglichkeit für HomeOffice für viele Arbeitnehmer*innen gar nicht gegeben war.

HomeOffice auch nach dem Ende der Covid-Pandemie?

Betrachtet man die positiven Effekte von HomeOffice auf die Motivation der Mitarbeitenden, stellt sich die Frage, ob die betroffenen Mitarbeitenden auch nach «Beendigung» der Covid-19 Pandemie weiterhin im HomeOffice arbeiten möchten.

Abbildung 5: Wunsch nach Weiterführung HomeOffice
Abbildung 5: Wunsch nach Weiterführung HomeOffice

Die Grafik zeigt, dass über 60% der Befragten auch in Zukunft im HomeOffice arbeiten möchten. Lediglich jeder 6. Mitarbeitende lehnt diese Möglichkeit ab. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach Weiterführung des HomeOffice bei Personen im mittleren Alter (Familien). Ein wichtiger Grund ist gemäss  Studie das Gefühl, dass man im HomeOffice sehr produktiv arbeiten kann.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Möglichkeit zu HomeOffice eine sehr positive Auswirkung auf die Mitarbeitendenmotivation hat. Es ist für Unternehmen deshalb sinnvoll und zielführend, den Mitarbeitenden diese Option auch weiterhin anzubieten.

Professionelle Feedbackinstrumente

Neue Arbeitsmodelle bedeuten immer auch neue Herausforderungen in der Führung. Vor allem die Kommunikation und der Dialog mit den Mitarbeitenden muss neu definiert und organisiert werden. Unsere bewährten Instrumente – Mitarbeiterbefragung und 360° Führungsfeedback – unterstützen Unternehmen und Vorgesetzte dabei, Veränderungen und Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und die Themen effizient anzugehen. ValueQuest legt grossen Wert darauf, dass die Mitarbeiterumfragen und Führungsfeedbacks durch entsprechende Umsetzungsinstrumente und -massnahmen flankiert werden.

Beitrag veröffentlicht am 15. Juni 2022

Über Heidi Blanken
Heidi Blanken ist Expertin und Beraterin mit Fokus auf psychologische Methodik, Wirtschaft und Arbeitsrecht. Sie studierte an der Universität Zürich und bringt fundiertes Wissen in ihre Beratungstätigkeit ein.

Heidi Blanken ist Expertin und Advisor bei ValueQuest mit Fokus auf Evaluation und methodische Beratung. Sie hat Psychologie mit Schwerpunkt Methodenlehre sowie Wirtschaft und Arbeitsrecht an der Universität Zürich studiert und als lic. phil. I abgeschlossen.

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