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Wir haben mit Roger Vogt von ARISCO Risk Consultants gesprochen. Ein Gespräch über Anforderungen an Versicherer, Herausforderungen im Alltag von Versicherungsbrokern und die Rolle von Branchenstudien in der Versicherungsmarktforschung.

Einstieg in die Versicherungsbranche

Herr Vogt. Vielen Dank für Ihre Gesprächsbereitschaft. Es ist sehr bereichernd, mit einem Teilnehmenden vom Broker Panel Schweiz sprechen zu können. Bevor wir auf unsere Marktstudie für die Versicherungsbranche zu sprechen kommen, wie sind Sie ins Versicherungsgeschäft eingestiegen?

Ich bin seit meiner Lehre in der Versicherungsbranche tätig. Ich habe 1996 eine kaufmännische Ausbildung bei der Helvetia absolviert und bin nach der Lehre sowie nach dem Militärdienst direkt zu einem Broker gewechselt. Seitdem bin ich im Brokergeschäft tätig, in unterschiedlichen Positionen.

Also ein klassischer Werdegang im Schweizer Versicherungsmarkt?

Ja, absolut. Ich kann ehrlich gesagt nicht viel anderes als Versicherungen. Dafür kenne ich das Geschäft sehr gut.

Worauf liegt Ihr Fokus heute?

Ich betreue Unternehmenskunden. Mein Schwerpunkt liegt klar im Commercial-Bereich, also bei Firmenkunden und komplexeren Versicherungslösungen.

Anforderungen an Versicherer aus Brokersicht

Wenn Sie drei zentrale Erwartungen von Versicherungsbrokern an Versicherer nennen müssten – welche wären das?

Das sind ganz klar Schnelligkeit, Unkompliziertheit und Flexibilität. Diese drei Punkte ziehen sich eigentlich durch den gesamten Arbeitsalltag.

Was bedeutet das konkret im täglichen Versicherungsgeschäft?

Schnelligkeit heisst, dass Offerten rechtzeitig eintreffen und auch im Tagesgeschäft Anfragen zügig bearbeitet werden. Unkompliziertheit bedeutet, dass Prozesse effizient sind und man nicht unnötig Zeit verliert. Und Flexibilität zeigt sich vor allem in der Ausgestaltung von Deckungen und Verträgen.

Wo sehen Sie aktuell die grössten Defizite?

Ich habe zunehmend das Gefühl, dass sich der Kunde in ein bestehendes Produkt des Versicherers einfügen muss. Früher war es eher so, dass Versicherer ihre Lösungen stärker an die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden angepasst haben. Heute sind die Produkte oft sehr starr.

Woran liegt diese Entwicklung Ihrer Meinung nach?

Die Systeme sind standardisierter geworden. Früher konnte man teilweise individuell formulieren, heute ist vieles produktgebunden. Zudem spielen interne Vorgaben, juristische Absicherung und Effizienz eine grosse Rolle. Das führt dazu, dass die Flexibilität verloren geht.

Veränderungen im Versicherungsmarkt Schweiz

Wie hat sich der Versicherungsmarkt in den letzten Jahren verändert?

Der Versicherungsmarkt ist anspruchsvoller geworden. Versicherer sind selektiver und prüfen genauer, welche Risiken sie überhaupt zeichnen wollen.

Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeit von Versicherung-Brokern?

Der Aufwand steigt deutlich. Früher hat man vielleicht drei oder vier Versicherer angefragt. Heute sind es oft sieben, acht oder noch mehr, weil viele Versicherer gar keine Offerte mehr abgeben.

Warum lehnen Versicherer häufiger Offerten ab?

Oft liegt es an Kapazitäten oder an der Risikoeinschätzung. Einige Bereiche, wie zum Beispiel Krankentaggeld, sind für Versicherer schwierig geworden. Wenn die Schadenquote hoch ist, ziehen sich viele Anbieter zurück.

Was bedeutet das für Ihre Kundinnen und Kunden?

Es wird schwieriger, passende Angebote zu finden. Gleichzeitig steigt der Druck auf den Versicherungs-Broker, trotzdem eine gute Lösung zu präsentieren. Das macht den Versicherungsmarkt insgesamt komplexer.

Broker Panel Schweiz als Branchenstudie – Marktforschung im Versicherungsmarkt

Sie nehmen seit Jahren am Broker Panel Schweiz teil. Was macht diese Studie besonders?

Das Broker Panel Schweiz stellt aus meiner Sicht die richtigen Fragen für Broker. Es fokussiert auf die relevanten Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Brokern.

Welche Rolle spielt eine solche Versicherungsstudie im Markt?

Eine sehr grosse. Die Ergebnisse werden von Versicherern ernst genommen. Teilweise kennen Führungskräfte die Resultate sehr genau und orientieren sich daran.

Was wird konkret bewertet?

Vor allem Faktoren wie Qualität, Geschwindigkeit und Zusammenarbeit. Also genau die Punkte, die im Alltag entscheidend sind.

Ist das eher eine klassische Marktbefragung oder ein Steuerungsinstrument?

Beides. Es ist eine fundierte Marktstudie, aber gleichzeitig liefert sie konkrete Hinweise, wo Handlungsbedarf besteht.

Was ist das Broker Panel Schweiz?

Das Broker Panel Schweiz ist die führende unabhängige Branchenstudie (Multi-Client-Befragung) im Schweizer Versicherungsmarkt. Unsere Versicherungsstudie fungiert als zentrales Sprachrohr der Versicherungsbroker und misst systematisch die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Brokern und Versicherern.

Wer führt die Versicherungsstudie durch?

Die Erhebung wird vom professionellen Zürcher Marktforschungsunternehmen ValueQuest GmbH durchgeführt, wobei Sabrina Karthe die Studienleitung verantwortet. Als strategische Consulting-Partnerin begleitet die Beratungsboutique La Bella Consulting das Projekt.

Welche Schweizer Versicherer machen mit?

Zehn der führenden Schweizer Versicherungsunternehmen unterstützen das Panel aktiv und stellen sich dem Feedback des Marktes: Allianz, AXA, Asga Pensionskasse, Generali, Helsana, Helvetia, die Mobiliar, Profond, Swiss Life und Zurich Versicherungen.

Wer wird befragt und wie?

Jährlich werden rund 1’600 Schweizer Versicherungsbroker eingeladen, ihre Einschätzungen abzugeben. Die Online-Befragung deckt alle relevanten Versicherungssparten ab – von Sach- und Haftpflicht über Kollektiv-Lebensversicherungen (BVG) bis hin zu Cyber- und Flottenversicherungen.

Erkenntnisse aus der Marktforschung

Was Broker aus unserer Markt-Studie lernen können

Bringen solche Branchenstudien auch konkrete Erkenntnisse für Broker selbst?

Ja, insbesondere wenn auch die Kundensicht integriert wird. Das ist extrem wertvoll.

Warum ist die Kundensicht so wichtig?

Weil wir als Broker gewisse Dinge als wichtig erachten, die für den Kunden oder die Kundin vielleicht gar nicht entscheidend sind. Diese Perspektive hilft, die eigene Arbeit zu reflektieren.

Gab es konkrete Erkenntnisse aus dem Broker Panel?

Ja, es gab Ergebnisse, die intern diskutiert wurden und zu neuen Überlegungen geführt haben. Auch wenn man nicht immer sofort Massnahmen ableitet, regt es definitiv zum Nachdenken an.

Herausforderungen bei Marktbefragungen

Warum nicht alle Broker teilnehmen

Warum nehmen Ihrer Meinung nach nicht mehr Broker an solchen Studien teil?

Viele sind schlicht überfordert mit der Menge an Umfragen und Marktstudien. Nach jedem Kontakt erhält man Feedback-Anfragen. Da geht eine wichtige Branchenstudie schnell unter.

Was könnte die Teilnahme erhöhen?

Mehr interne Kommunikation. Wenn Vorgesetzte oder Versicherer aktiv darauf hinweisen, steigt die Teilnahmebereitschaft.

Also liegt das Problem weniger an der Studie selbst?

Genau. Die Studie ist sinnvoll. Es geht eher darum, ihr die nötige Aufmerksamkeit zu geben.

Weiterentwicklung des Broker Panels Schweiz

Wo liegt Potenzial?

Was würden Sie am Broker Panel verbessern?

Inhaltlich eigentlich wenig. Die Fragen sind gut und relevant.

Was fehlt aus Ihrer Sicht?

Die Perspektive der Versicherer. Es wäre spannend zu sehen, wie sie die Zusammenarbeit mit Brokern beurteilen.

Warum ist das wichtig?

Weil Zusammenarbeit immer beidseitig ist. Broker stellen Anforderungen, aber sie müssen auch selbst Qualität liefern.

Was wünschen Sie sich zusätzlich?

Eine schriftliche Auswertung wäre hilfreich, damit man die Ergebnisse intern besser weiterverarbeiten kann.

Zusammenarbeit im Versicherungsmarkt

Welchen Appell haben Sie an Versicherer?

Anfragen ernst nehmen und die Qualität hochhalten. Oft hat man das Gefühl, dass Informationen nicht vollständig berücksichtigt werden.

Und an andere Broker?

Offen und ehrlich bleiben. Und sich nicht nur als Fordernde sehen, sondern auch als Partner, die selbst Leistung bringen müssen.

Wie sollte die Zusammenarbeit idealerweise aussehen?

Als Partnerschaft auf Augenhöhe. Nicht als Gegeneinander, sondern als gemeinsames Arbeiten für den Kunden.

Vielen Dank, Herr Vogt, für das offene und spannende Gespräch sowie die Einblicke in die Praxis des Schweizer Versicherungsmarktes.

Marktforschung als Schlüssel zur Weiterentwicklung der Versicherungsbranche

Das Gespräch zeigt deutlich: Der Schweizer Versicherungsmarkt wird komplexer, anspruchsvoller und dynamischer.

Für Versicherungsbroker bedeutet das mehr Aufwand, höhere Erwartungen und steigenden Druck. Gleichzeitig bieten datenbasierte Instrumente wie das Broker Panel Schweiz eine wichtige Orientierung.

Als fundierte Branchenstudie liefert es nicht nur Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Brokern, sondern auch konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen im Markt.

Gerade in einem Umfeld, in dem Geschwindigkeit, Flexibilität und Qualität entscheidend sind, wird professionelle Marktforschung im Versicherungsbereich zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

Beitrag veröffentlicht am 4. Mai 2026

Über Karthe Sabrina
Sabrina Karthe ist Research Managerin und Managing Partner bei ValueQuest. Sie hat Angewandte Mathematik an der Hochschule Mittweida studiert (Dipl.-Math. FH) und steht für analytische Exzellenz in quantitativer Forschung und datenbasierter Beratung.

Sabrina ist Managing Partner und Datenanalystin bei ValueQuest. Sie leitet mitunter das Broker Panel Schweiz in Zusammenarbeit den Top 10 Versicherungen der Schweiz. Sie studierte Mathematik an der Fachhochschule Mittweida.

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