Inhaltsverzeichnis
- The established feedback tool for measuring employee satisfaction
- Six out of ten companies conduct an employee survey
- The trend is towards pulse surveys
- Employee surveys are a strategic tool
- Large companies vs. SMEs: differences in employee surveys
- What is in demand? Leadership, communication, further training
- But conducting an employee survey is not enough
Das etablierte Feedback-Instrument zur Messung der Mitarbeiterzufriedenheit
Mitarbeiterbefragungen sind heute kein „Nice-to-have“ mehr, sondern gehören zum Standard der Organisations- und Führungsentwicklung. Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zum Umdenken. Wer seine Mitarbeitenden nicht hört, verliert sie an die Konkurrenz. Weil der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte zunimmt und die Erwartungen der Mitarbeitenden an ihre Arbeitgeber steigen, braucht es verlässliche Feedback-Kanäle.
Mitarbeiterbefragungen bieten eine strukturierte Möglichkeit, die Meinungen, Wünsche und die Zufriedenheit der Belegschaft systematisch zu erfassen. Gleichzeitig ermöglichen sie es Unternehmen, frühzeitig Probleme zu erkennen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Mitarbeiterbindung aktiv zu stärken. In der DACH-Region ist dieses Feedback-Instrument mittlerweile weit verbreitet und dient als entscheidende Grundlage für die Gestaltung einer positiven Arbeitsplatzkultur.
Doch wie verbreitet sind diese Mitarbeiterumfragen wirklich? Wer initiiert sie und welche Themen stehen im Fokus? Aktuelle Studien liefern aufschlussreiche Einblicke.
Sechs von zehn Unternehmen machen eine Mitarbeiterumfrage
Die Durchführung von Mitarbeiterbefragungen ist in grossen Unternehmen der DACH-Region längst zum Standard geworden. Bereits 2008 zeigte eine umfassende Studie von Hossiep und Frieg, die 820 der grössten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersuchte, eine beeindruckende Durchdringungsrate: 80 % der teilnehmenden Unternehmen hatten bereits eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt.
Neuere Zahlen aus Deutschland bestätigen den Trend, zeigen aber auch: Es gibt noch Luft nach oben. Eine 2024 publizierte Studie des Marktforschungsinstituts smart insights ergab, dass 60 % der befragten 312 Entscheider in ihrem Betrieb regelmässig Mitarbeiterumfragen durchführen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Vier von zehn Unternehmen verzichten noch immer auf dieses wichtige Feedback-Instrument. Weitere 24% zeigen zwar Interesse, haben aber noch keine Massnahmen ergriffen. Nur 11 % verzichten bewusst auf dieses Feedback-Instrument.
Für die Schweiz und Österreich fehlen gleich gut vergleichbare Zahlen. Die Hinweise aus einschlägigen Studien zeigen jedoch, dass Mitarbeiterbefragungen auch dort fester Bestandteil moderner HR-Arbeit und Führungsentwicklung sind. Die kulturellen und wirtschaftlichen Ähnlichkeiten innerhalb der DACH-Region lassen darauf schliessen, dass die Verbreitungsraten auf einem vergleichbaren Niveau liegen. Insbesondere in der Schweiz, wo die Arbeitsmarktbedingungen oft als Vorbild gelten, dürften progressive HR-Praktiken wie regelmässige Mitarbeiterbefragungen weit verbreitet sein.
Der grosse Boom kam nach der Jahrtausendwende. Die Studie von Hossiep und Frieg zeigt: Allein zwischen 2000 und 2004 führten 85 Unternehmen ihre erste Mitarbeiterbefragung ein – der stärkste Zuwachs in der untersuchten Periode.
Der Trend geht zu Puls-Befragungen
Die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden befragen, hat sich deutlich verändert. Statt einmal jährlich eine grosse Umfrage durchzuführen, setzen immer mehr Firmen auf häufigere, kürzere Befragungen – sogenannte Puls-Befragungen. Der Vorteil: Unternehmen können schneller auf Veränderungen reagieren und zeitnah Massnahmen ergreifen, statt ein Jahr auf die nächste grosse Umfrage zu warten. Die smart insights-Studie zeigt: 73 % der Unternehmen befragen mehrmals im Jahr. Nur noch 18 % machen es einmal jährlich, und lediglich 7 % befragen seltener.
Zum Vergleich: Die ältere Hossiep & Frieg-Studie zeigt noch ein anderes Bild. Damals befragten 32 % jährlich, 34 % alle zwei Jahre und 12 % alle drei Jahre. Die Befragungsfrequenz hat also massiv zugenommen – ein Zeichen dafür, dass Unternehmen zeitnahes, kontinuierliches Feedback wollen.
Bei den Methoden hat sich die Digitalisierung klar durchgesetzt. 81% der Unternehmen setzen auf Online-Befragungen, vor allem in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitenden. In kleineren Organisationen bleibt das persönliche Gespräch mit 49% eine beliebte Alternative – was der direkteren Kommunikationskultur in überschaubaren Teams entspricht.
Mitarbeiterbefragungen sind ein strategisches Instrument
Wer treibt Mitarbeiterbefragungen voran? In den meisten Fällen ist es die Geschäftsleitung. Sowohl die Studie von Hossiep & Frieg (78 %) als auch die von smart insights (62 %) identifizieren die oberste Führungsebene als Hauptinitiator. Der Personalbereich folgt mit 40 % als treibende Kraft. Interessant: Die Arbeitnehmervertretung spielt mit nur 3 % eine untergeordnete Rolle – obwohl gerade sie ein starkes Interesse an der Mitarbeiterzufriedenheit haben sollte.
Diese Zahlen unterstreichen: Mitarbeiterbefragungen werden als strategisches Instrument verstanden, das von der Unternehmensführung getragen werden muss. Ohne Rückhalt und Commitment vom Management funktioniert es nicht.
Externe Unterstützung spielt eine wichtige Rolle. Über die Hälfte der Unternehmen (57%) greift auf externe Angebote zurück – von spezialisierten Befragungs-Tools bis zu ganzheitlicher Beratung. 22 % lagern den Prozess vollständig aus. Das zeigt: Viele Unternehmen anerkennen die Komplexität einer professionellen Mitarbeiterbefragung und holen sich entsprechende Expertise.
Grossunternehmen vs. KMU: Unterschiede bei Mitarbeiterbefragungen
Unsere internen Daten von ValueQuest zeigen, dass es hier deutliche Unterschiede zwischen Grossunternehmen und KMU gibt. Während Konzerne mit mehreren hundert oder tausend Mitarbeitenden fast ausnahmslos auf systematische, digitale Befragungen setzen, sieht die Realität in kleineren Betrieben anders aus. KMU mit unter 50 Mitarbeitenden führen Befragungen oft informeller durch – wenn überhaupt. Das persönliche Gespräch, die offene Tür zur Geschäftsleitung oder regelmässige Team-Meetings ersetzen hier häufig die strukturierte Umfrage.
Bei der Frage, ob die Befragung intern oder extern durchgeführt wird, zeigt sich kein klares Muster. Grossunternehmen verfügen meist über eigene HR-Abteilungen mit entsprechender Expertise und führen Befragungen häufiger intern durch, unterstützt durch spezialisierte Software-Lösungen. KMU hingegen setzen stärker auf externe Anbieter, wenn sie den Schritt zur systematischen Befragung wagen. Den KMU fehlen oft die internen Ressourcen und das Know-how für Konzeption, Durchführung und Auswertung. Externe Anbieter bieten hier nicht nur die Technik, sondern auch die Neutralität, die gerade in kleineren Betrieben wichtig ist. Mitarbeitende äussern sich gegenüber Dritten oft offener als gegenüber den eigenen Vorgesetzten.
Was wird gefragt? Führung, Kommunikation, Weiterbildung
Die inhaltlichen Schwerpunkte sind über die Jahre relativ konstant geblieben. Im Zentrum stehen Themen, die für die Arbeitszufriedenheit entscheidend sind:
- Führung
- Information und Kommunikation
- Berufliche Weiterbildung
- Kollegen und Team
- Lohn und Boni
Die Hauptmotive für die Einführung einer Personalumfrage sind strategischer Natur. Unternehmen wollen primär die Umsetzung ihrer Strategie (63.2%) vorantreiben und die interne Kommunikation verbessern (55.7%). Mitarbeiterbefragungen sind also kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Erreichung übergeordneter Unternehmensziele.
Über die klassischen Themen hinaus haben sich in den letzten Jahren neue inhaltliche Schwerpunkte etabliert, die tiefergehende Einblicke in die psychologischen Aspekte der Arbeit ermöglichen. Neben den traditionellen HR-KPIs wie Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeitermotivation werden zunehmend moderne Kennzahlen wie Mitarbeiterinspiration, Purpose und Mitarbeiter-Empowerment abgefragt, um zu messen, wie zukunftsorientiert Mitarbeitende denken und handeln. Themen wie Work-Life-Balance, Fairness und Anerkennung sind heute nicht mehr nur „weiche“ Faktoren, sondern werden als harte, business-relevante Kennzahlen verstanden, die direkt auf die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft eines Unternehmens einzahlen.
Doch eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen, reicht nicht
Mitarbeiterbefragungen sind im DACH-Raum fest etabliert. Bereits 2007 führten 80% der grössten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmässig solche Befragungen durch, wie Studien zeigen. Heute, im Jahr 2024, sind sie aus dem Personalmanagement nicht mehr wegzudenken und haben sich durch die Digitalisierung methodisch weiterentwickelt. Doch eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen, reicht bei Weitem nicht aus.
Aktuelle Studien zeigen eine alarmierende Diskrepanz zwischen der reinen Durchführung von Umfragen und der tatsächlichen emotionalen Bindung der Mitarbeitenden. Während Unternehmen bei Themen wie Führung und Fairness Fortschritte machen, wie der Great Place to Work Report nahelegt, offenbart der Gallup Engagement Index 2024 eine tiefgreifende Engagement-Krise in Deutschland: Nur noch 9 % der Beschäftigten sind emotional hoch gebunden – ein historischer Tiefstand. Ganze 78 % machen lediglich „Dienst nach Vorschrift“. Parallel dazu ist das Vertrauen in Führungskräfte dramatisch gesunken: Nur noch 21 % der Mitarbeitenden vertrauen ihrem Vorgesetzten uneingeschränkt.
Die Schlussfolgerung ist klar: Das blosse Sammeln von Feedback reicht nicht aus. Unternehmen müssen die Ergebnisse ernst nehmen, transparente Kommunikationsprozesse etablieren und aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete, spürbare Maßnahmen ableiten. Die Mitarbeitenden müssen erleben, dass ihre Stimme gehört wird und zu Veränderungen führt. Genau hier hapert es oft.
Beitrag veröffentlicht am 30. Oktober 2025
Über Dr. Kathrin Neumüller

Dr. oec. HSG Kathrin Neumüller ist Co-Geschäftsführerin bei ValueQuest und Expertin für Mitarbeiterinspiration und Empowerment. Daneben unterrichtet sie im MBA strategisches Management an der ZHAW. Sie promovierte an der Universität St. Gallen (HSG) und studierte an der University of Cambridge. Erfahren Sie mehr über Kathrin
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