Momentan kämpfen verschiedene Unternehmen mit einer stark gestiegenen Mitarbeiterfluktuation. ValueQuest hat aus diesem Grund eine Studie aus dem Oktober 2019 aufgefrischt und im April 2022 erneut 600 Arbeitnehmende in der Deutschschweiz zur Arbeitszufriedenheit und Mitarbeitermotivation befragt. So können die Aussagen unmittelbar vor und nach Beendigung der Pandemie verglichen werden.

Wenig veränderte Mitarbeitermotivation

Auf den ersten Blick hat sich die Mitarbeitermotivation kaum verändert. Im Jahr 2019 waren 42% der Mitarbeitenden hoch motiviert, im Moment sind es mit 43% sogar noch etwas mehr. Auch der Anteil der Mitarbeitenden mit niedriger Motivation hat sich mit 21% gegenüber dem Jahr 2019 nicht verändert.

Betrachtet man allerdings die Veränderungen nach Unternehmensgrösse in den nachfolgenden Tabellen, kann man erkennen, dass Mitarbeitende in kleineren Unternehmen im allgemeinen eine wesentlich höhere Motivation aufweisen als diejenigen in grösseren Firmen. Allerdings hat gerade bei den Mitarbeitenden in kleineren Unternehmen die Motivation im Vergleich zu 2019 leicht abgenommen, während sie in Grossunternehmen (250+ Mitarbeitende) signifikant angestiegen ist.

Unternehmensgrösse
2019 1-9 Personen (n=82) 10-49 Personen (n=142) 50-249 Personen (n=145) 250+ Personen (n=246)
Motivation % hoch 65% 46% 44% 31%
Zufriedenheit % hoch 65% 48% 48% 34%
Commitment % hoch 60% 42% 39% 30%
Anzahl 82 142 145 246

 

Unternehmensgrösse
2022 1-9 Personen (n=60) 10-49 Personen (n=116) 50-249 Personen (n=148) 250+ Personen (n=288)
Motivation % hoch 60% 47% 33% 44%
Zufriedenheit % hoch 58% 52% 38% 49%
Commitment % hoch 58% 45% 32% 39%
Anzahl 60 116 148 288

Ein Grund für die Steigerung der Mitarbeitermotivation bei grösseren Unternehmen könnte die durch die Pandemie «forcierte» Möglichkeit zu Arbeit im HomeOffice sein.

Kaum veränderte Kündigungsbereitschaft

Wechselwahrscheinlichkeit Mitarbeiter:innen

In obenstehender Grafik sieht man, dass sich die Wahrscheinlichkeit auf einen Arbeitsplatzwechsel im Vergleich zu 2019 etwas verringert hat. Allgemein zeigen sich  global gesehen wenig Veränderungen in der Wechselabsicht.

Deutlichere Unterschiede beim Vergleich nach Alterskategorien und Dienstalter

Betrachtet man die Wechselabsicht nach Altersgruppe , zeigt sich ein ganz anderes Bild.

Altersgruppe   2019 2022
Bis 25 Jahre (n=93) Anteil mit hoher Wechselabsicht 21% 22%
26-35 Jahre (n=357) Anteil mit hoher Wechselabsicht 26% 22%
36-45 Jahre (n=315) Anteil mit hoher Wechselabsicht 14% 16%
46-55 Jahre (n=273) Anteil mit hoher Wechselabsicht 15% 16%
56+ Jahre (n=208) Anteil mit hoher Wechselabsicht 12% 13%

]Wie man in der Tabelle gut sieht, haben jüngere Personen bis 35 Jahre eine deutlich stärkere Tendenz, den Arbeitsplatz zu wechseln, als dies bei Mitarbeitenden ab 36 plus der Fall ist. Dies war allerdings bereits vor der Pandemie so. Auch Mitarbeitende, die relativ frisch in einem Unternehmen arbeiten, haben eine höhere Kündigungsbereitschaft:

Wechselwahrscheinlichkeit nach Dienstalter

In der obenstehenden Abbildung sieht man zusätzlich, dass die Wechselwahrscheinlichkeit der „neuen“ Mitarbeitenden im Jahr 2022 signifikant zugenommen hat. Einen wesentlichen Einfluss darauf hat die Mitarbeitermotivation. 41% der Mitarbeitenden mit niedriger Motivation hatten im Jahr 2022 eine hohe Wechselabsicht, im Vergleich zu 37%  im 2019.

Mitarbeiterfluktuation lässt sich vorhersagen

Mittels einer professionellen Mitarbeitendenbefragung lassen sich Fluktuationen recht gut vorhersagen. ValueQuest errechnet basierend auf den Antworten der Mitarbeitenden für jede Person eine Kündigungswahrscheinlichkeit. Aus Gründen der Anonymität werden diese Antworten nicht bezogen auf Einzelpersonen ausgewiesen, sondern für die Organisation als Ganzes sowie einzelne Bereiche und Abteilungen.  Langzeitvergleiche zeigen, dass diese Wahrscheinlichkeiten sehr relevant sind.

Über einen Zeitraum von 2 Jahren verlassen bis zu 70% der Mitarbeitenden mit einer hohen Kündigungsgefährdung effektiv das Unternehmen. Basierend auf den Ergebnissen der Mitarbeitendenbefragung bietet sich für Unternehmen die Chance – und gleichzeitig Herausforderung – rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen, um die betroffenen Mitarbeitenden erneut an das Unternehmen zu binden und neu zu motivieren.

Fazit

Die Wechselabsicht oder Kündigungsbereitschaft der Mitarbeitenden hat sich während der Corona-Pandemie insgesamt kaum verändert. Dass es momentan bei vielen Unternehmen zu höheren Fluktuationen kommt, hängt primär mit den Opportunitäten auf dem Arbeitsmarkt zusammen. Während der Pandemie war es für viele Arbeitnehmende zu riskant, den Arbeitsplatz zu wechseln. Gleichzeitig waren die Firmen vorsichtig mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Nach wie vor gilt, dass die Motivation der Mitarbeitenden der wesentliche Treiber für deren Loyalität ist. Die Mitarbeitermotivation ist daher eine zentrale Aufgabe des Managements. Eine professionell durchgeführte Mitarbeitendenbefragung hilft dem Management, frühzeitig wichtige Informationen zu erhalten und Führung, Kultur und die Prozesse so auszurichten, dass eine maximale Motivation und Loyalität der Mitarbeitenden erreicht werden kann.

Beitrag veröffentlicht am 6. Juli 2022

Über Heidi Blanken
Heidi Blanken ist Expertin und Beraterin mit Fokus auf psychologische Methodik, Wirtschaft und Arbeitsrecht. Sie studierte an der Universität Zürich und bringt fundiertes Wissen in ihre Beratungstätigkeit ein.

Heidi Blanken ist Expertin und Advisor bei ValueQuest mit Fokus auf Evaluation und methodische Beratung. Sie hat Psychologie mit Schwerpunkt Methodenlehre sowie Wirtschaft und Arbeitsrecht an der Universität Zürich studiert und als lic. phil. I abgeschlossen.

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