Heute betrachten wir einen methodischen Aspekt von Befragungen etwas genauer. Und zwar klären wir in diesem Beitrag Fragen rund um das Thema Antwortskalen, d.h. ob es die richtige Skala für eine Befragung gibt.

Gibt es die richtige Skala für eine Mitarbeiterbefragung?

Wir werden von unseren Kunden oft gefragt, welches die «richtige Skala für eine Mitarbeiterbefragung» ist. Es geht dabei vor allem um die Anzahl der Antwortkategorien und darum, ob es eine Antwortkategorie «Weiss nicht» oder «keine Antwort» geben soll.

Resultate aus der Online-Befragung durch ValueQuest

ValueQuest hat in einer Online-Befragung untersucht, wie verschiedene Darstellungsformen das Antwortverhalten von Mitarbeitern beeinflussen. Den befragten Mitarbeitern wurden nach reinem Zufallsprinzip unterschiedliche Varianten der Skala eingeblendet. Die folgende Grafik zeigt die schematische Darstellung der verschiedenen Varianten:

Verschiedenen Skalen für eine Mitarbeiterbefragung
Abb. 1: Verschiedene Antwortskalen bei Mitarbeiterbefragungen

Bei unserer Online-Befragung haben wir die ausgewählte Variante auf den gesamten Fragebogen angewendet. Die Antwortkategorie “Weiss nicht” wurde für den Durchschnitt nicht berücksichtigt.

Würde die Annahme stimmen, dass die Skala keine Rolle spielt, müssten die Ergebnisse bei ca. 170 Befragten pro Variante rein statistisch gesehen für alle Gruppen identisch sein. Wie die folgende Grafik zeigt, gab es effektiv aber Unterschiede im Antwortverhalten und zwar ziemlich konsequent über alle Fragen hinweg.

Verschiedene Skalen für eine Mitarbeiterbefragung
Abb. 2: Unterschiede im Antwortverhalten bei unterschiedlichen Skalentypen

Warum zeigen sich bei der Variante 2 (von rechts = schlecht nach links = gut) die höchsten Werte? Befragte beantworten Fragen aus Erfahrung intuitiv. Sie überlegen nicht lange, welche Note sie geben möchten, sondern antworten in der Tendenz (also eher links oder eher rechts). Es zeigen sich deshalb je nach Antwortskala deutliche Unterschiede – dies muss beim Erstellen von Fragebögen berücksichtigt werden. Vorsicht geboten ist diesbezüglich auch beim Vergleich mit anderen Studien.

Bei den beiden Varianten mit der Kategorie “Weiss nicht” (Variante 3 und 4) zeigen sich nur geringe Unterschiede zwischen den Varianten 3 und 4. In Bezug auf ‘Weiss nicht’ ganz generell gesehen – das heisst ‘Weiss nicht’ ankreuzen, wenn es vorhanden ist oder Frage leer lassen, wenn ‘Weiss nicht’ nicht vorhanden ist, zeigen sich zwischen allen Varianten kaum Unterschiede. Die Anzahl von “Weiss nicht” betrug in allen vier Varianten rund 2-3%. Die Antwortkategorie “Weiss nicht” bringt somit kaum Vorteile gegenüber den Varianten 1 und 2. Wir empfehlen unseren Kunden deshalb meist, den Fragebogen optisch schlanker zu halten und auf diese Option zu verzichten.

Fazit zu den verschiedenen Skalentypen

Die Studie zeigt auf, dass es tatsächlich Unterschiede gibt zwischen den verschiedenen Skalen, allerdings sind sie nicht sehr stark ausgeprägt. Wichtig ist, dass die gewählte Skala innerhalb eines Fragebogens beibehalten wird –  ansonsten verwirrt dies die Befragten und verfälscht die Ergebnisse. Kulturelle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle. In der Schweiz werden Skalen in der Regel von links (schlecht) nach rechts (gut) dargestellt (analog Variante 1), während in Deutschland die Skalen eher von links (gut) nach rechts (schlecht) dargestellt werden (analog Variante 2).

Beitrag veröffentlicht am 30. Juni 2021

Über Francine Kräuchi
Francine Kräuchi ist Managing Partner und Projektleiterin bei ValueQuest. Sie begleitet Kunden mit Expertise in Beratung, Projektmanagement und Mitarbeiterfeedback durch datenbasierte Veränderungsprozesse.

Francine Kräuchi ist Senior Managerin und Projektleiterin bei ValueQuest mit langjähriger, fundierter Expertise bei Mitarbeitendenbefragungen und 360-Grad-Führungsfeedbacks. Als systemischer Coach begleitet sie Führungskräfte basierend auf den Feedbackergebnissen in ihrer weiteren beruflichen Entwicklung. Erfahren Sie mehr über Francine

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