Sie möchten verstehen, wie Kunden oder Mitarbeitende denken, fühlen und Entscheidungen treffen? In unserem Beitrag vertiefen wir die beiden qualitativen Methoden persönliche Interviews und Fokusgruppen. Qualitative Methoden der Marktforschung sind die richtige Wahl, um ein tiefergehendes Verständnis Ihrer Zielgruppen zu erhalten. Sie eignen sich als eigenständige Methode, aber auch als Ergänzung zu quantitativen Methoden.
Persönliche Interviews
In einem Tiefeninterview geht es darum, die Einstellungen, Motive und Bedürfnisse der Befragten zu ermitteln. In der Regel werden Tiefeninterviews als Einzelinterviews durchgeführt. Der Interviewer folgt einem Leitfaden, der gewisse Themen der Befragung festlegt. Diese Strukturierung macht die Interviews untereinander vergleichbar.
Für das Interview muss trotzdem eine gewisse Flexibilität gegeben sein, dass man auf die individuellen Themen der Befragten eingehen kann. So werden interessante Aspekte vertieft und man lernt, was die Interviewpartner wirklich bewegt. Diese Offenheit für die Individualität der befragten Person und der persönliche Kontakt schaffen Raum für neue Erkenntnisse. Ein ganz starr einzuhaltender Fragenkatalog würde dies verhindern.
Fokusgruppen
Fokusgruppen sind leitfadengestützte, moderierte Diskussionen mit 6 bis 10 sorgfältig ausgewählten Teilnehmenden. Besonders geeignet sind Fokusgruppen, wenn die Erhebung von der Gruppendynamik profitieren soll, z.B. um verschiedene Einstellungen und Erfahrungen von Konsumenten zu diskutieren.
Als Erfinder der Fokusgruppen gilt der US-amerikanische Soziologe Robert K. Merton. Historisch gesehen wurden sie nicht als eine eigenständige qualitative Technik konzipiert, sondern vielmehr als zusätzliche Methodik, um Details zu eruieren, die sonst übersehen werden könnten.
Bei Fokusgruppen gibt es unseres Erachtens mehr Stolpersteine als bei persönlichen Interviews:
Einfluss und Dominanz einzelner Teilnehmer
Es besteht die Gefahr, dass Diskussionen zu irrelevanten Themen abschweifen und unter der Dominanz einiger Mitglieder der Fokusgruppe leiden. Teilnehmende in Fokusgruppen äussern sich in der Regel NICHT auf dieselbe Art und Weise wie in einem individuellen Face-to-Face-Interview. Was zuvor gesagt wurde, wie es gesagt wurde und wer es gesagt hat, beeinflusst die Teilnehmer.
Dies gilt insbesondere dann, wenn es dominante Personen in der Gruppe gibt. Kidd und Parshall (2000) haben es sehr schön formuliert: Fokusgruppen „erzeugen eine weit weniger homogene Textur des Diskurses, als man sie in Einzelinterviews findet.“
Herausforderungen bei der Moderation
Das Ziel einer Fokusgruppe erreicht man am besten mit einer heterogenen Gruppe, die es ermöglicht, verschiedene Standpunkte zu erkunden und zu diskutieren. Mit der Heterogenität geht jedoch das Risiko einher, dass es mehr fachkundige Teilnehmer gibt als andere. Dies erfordert eine strenge Moderationskontrolle.
Sowieso hängt der Erfolg von Fokusgruppen und Interviews stark von einem gut strukturierten Ablauf und den Fähigkeiten der Moderation / des Interviewers ab.
Mehr Information mit persönlichen Interviews
Die Zeit, die den einzelnen Teilnehmenden zur Vertiefung der Gedanken zur Verfügung steht, ist bei Fokusgruppen beschränkt. Fokusgruppen dauern in der Regel ca. 90-120 Minuten und versammeln durchschnittlich 8 bis 10 Personen. Rechnet man die Moderation heraus, bleiben zwischen 8 und 15 Minuten Sprechzeit pro Teilnehmer. Dies ist wenig im Vergleich zu einem Einzelinterview, welches optimalerweise ca. 30 bis 45 Minuten dauert. Es wird also schnell klar, mit welcher Methode mehr Information generiert wird.
Die Argumente sprechen für Interviews
Wir von ValueQuest bevorzugen die Methode Einzelinterviews. Mit einer Ausnahme: Fokusgruppen sind die erste Wahl, wenn man man die Dynamik zwischen den Mitgliedern einer sozialen Gruppe verstehen will. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie die Kaufentscheidungen in einer Familie untersuchen wollen. Diese Entscheidungen werden wahrscheinlich von den Kindern beeinflusst. Es ist daher von großem Interesse, sowohl Eltern als auch Kinder in einem Raum zu haben.
Gerne beraten wir Sie unter 044/786 32 52. Und falls Sie mehr von uns lesen wollen, folgen Sie uns auf Linkedin.
Beitrag veröffentlicht am 21. April 2022
Über Heidi Blanken

Heidi Blanken ist Expertin und Advisor bei ValueQuest mit Fokus auf Evaluation und methodische Beratung. Sie hat Psychologie mit Schwerpunkt Methodenlehre sowie Wirtschaft und Arbeitsrecht an der Universität Zürich studiert und als lic. phil. I abgeschlossen.
Inspiriert? Dann teilen Sie diesen Beitrag über Ihre bevorzugte Plattform.
Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten ...

Top Schweizer Arbeitgeber: GastroSocial
9. September 2026
Lesezeit: 3 min
GastroSocial erhält den Excellence@Work Award 2026 von ValueQuest. Mit einer Rücklaufquote von 96 Prozent, 84 Motivationspunkten und 87 Prozent Botschafterinnen und Botschaftern zeigt sich eine starke Arbeitgeberkultur.

Mitarbeiterbefragung: Raiffeisenbank Möhlin mit exzellenten Ergebnissen
31. August 2026
Lesezeit: 3 min
Die Raiffeisenbank Möhlin gehört zu den Top-Arbeitgebern der Schweiz und erhält dafür unsere Auszeichnung Excellence@Work Award. Wir gratulieren!

Mitarbeiterbefragung Schweiz: Anbieter & Tools finden
30. August 2026
Lesezeit: 6 min
Mitarbeiterbefragung Schweiz: Wie findet man den richtigen Mitarbeiterbefragung-Anbieter? Worauf es bei Anonymität, Tools, Fragebogen und Auswertung wirklich ankommt.
360 Grad Feedback Fragebogen: Muster, Vorlage und Beispielfragen
21. August 2026
Lesezeit: 7 min
Inhaltsverzeichnis Ein 360 Grad Feedback ist nur so gut wie sein Fragebogen. Der Fragebogen bildet das Herzstück des gesamten Prozesses. Er entscheidet darüber, ob...

Mitarbeiterbefragung: Stiftung CAMPUS SURSEE gehört zu den besten Arbeitgebern der Schweiz
5. August 2026
Lesezeit: 2 min
ValueQuest zeichnet besonders attraktive Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in der Schweiz mit dem Excellence@Work Award aus. Kürzlich durften wir den Award der Stiftung CAMPUS SURSEE überreichen.

Top-Arbeitgeberin Raiffeisenbank Regio Arbon: Eigenverantwortung als Teil einer starken Unternehmenskultur
7. Juli 2026
Lesezeit: 2 min
ValueQuest zeichnet besonders attraktive Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in der Schweiz mit dem Excellence@Work Award aus. Kürzlich durften wir den Award der Raiffeisenbank Regio Arbon überreichen.

Kundenzufriedenheit als strategischer Hebel: Interview mit Ricardo Garcia, CEO von PROMEA
20. Juni 2026
Lesezeit: 10 min
PROMEA erzielt seit Jahren Spitzenwerte in der Kundenzufriedenheit. Im Gespräch mit CEO Ricardo Garcia zeigt sich: Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein klarer Fokus auf Qualität, Reaktionszeiten und konsequente Umsetzung der Erkenntnisse der Kundenumfrage. Dieses Interview zeigt, wie PROMEA den NPS als Führungsinstrument nutzt und welche Herausforderungen für die Kundenzufriedenheit als Nächstes anstehen.

Schamgefühl im Berufsalltag: Warum wir nicht sagen, was eigentlich gesagt werden müsste
4. Juni 2026
Lesezeit: 4 min
Feedback zu geben und anzunehmen gehört zu den grundlegendsten Interaktionen im modernen Berufsalltag. Doch warum fällt es uns so oft schwer, ehrliche Rückmeldungen zu formulieren?
Kundenbefragung Schweiz: Fragebogen, Beispielfragen und Muster-Fragebogen
27. Mai 2026
Lesezeit: 6 min
Kundenbefragung in der Schweiz: Dank unserer Muster-Fragen und Fragebogen-Vorlage erstellen Sie einen guten Fragebogen für Ihre Kundenbefragung oder Umfrage.



