Macht es einen Unterschied, ob wir von «Mitarbeiterbefragung» oder «Mitarbeitendenbefragung» sprechen?

Die kurze Antwort: Ja – sprachlich, gesellschaftlich und strategisch sogar einen grossen. Denn die Bezeichnung «Mitarbeiterbefragung» oder «Mitarbeitendenbefragung» sagt viel darüber aus, wie ein Unternehmen denkt und kommuniziert.

Vom Mitarbeiter zur mitarbeitenden Person

Schreibt oder spricht man von einem «Mitarbeiter», meint damit aber alle Beschäftigten (also Männer, Frauen, Nichtbinäre), dann nutzt man das  generische Maskulinum. «Generisch» bedeutet hier: Mit dem Wort «Mitarbeiter» werden alle Geschlechter eingeschlossen, nicht nur die männlichen Mitarbeiter.

Traditionell war im deutschsprachigen Raum lange der Begriff Mitarbeiterbefragung gebräuchlich. Über Jahrzehnte hinweg galt er als neutral, auch wenn er formal nur die männliche Form enthält. Mit der wachsenden Sensibilität für geschlechtergerechte Sprache hat sich das geändert.

Am generischen Maskulinum «Mitarbeiter» wird kritisiert, dass Frauen und andere Geschlechter durch diese Form sprachlich «unsichtbar» gemacht werden könnten. Heute empfinden viele Menschen den Begriff «Mitarbeiter» nicht mehr als inklusiv. Deshalb wird zunehmend die Form Mitarbeitende verwendet – ein sogenanntes Partizip Präsens. Sie beschreibt Menschen über ihre Tätigkeit (sie arbeiten mit), nicht über ihr Geschlecht.

So ist aus der klassischen Mitarbeiterbefragung vielerorts die Mitarbeitendenbefragung geworden. Diese Form ist grammatikalisch korrekt, flüssig lesbar und vermeidet Sonderzeichen wie Doppelpunkte oder Sternchen, die in der Schweiz nur selten verwendet werden.

Sie passt ausserdem zu verwandten Begriffen wie Mitarbeitendenentwicklung, Mitarbeitendenzufriedenheit oder Mitarbeitendenumfrage – und wirkt dadurch konsistent und modern.

«Mitarbeitendenbefragung» ist kein perfektes Wort, aber pragmatisch

Die Form Mitarbeitende ist grammatikalisch gesehen ein Partizip Präsens – also ein Tätigkeitswort, das eine gerade stattfindende Handlung beschreibt. Wörtlich bedeutet es: «jemand, der gerade mitarbeitet». Streng genommen ist das zeitlich begrenzt. Ein Mitarbeitender ist jemand, der in diesem Moment mitarbeitet – nicht unbedingt dauerhaft angestellt ist.

Im übertragenen Sinn hat sich das Partizip jedoch verallgemeinert und wird heute fast immer substantivisch gebraucht, also als Ersatz für das Nomen Mitarbeiter. Linguistisch gesehen ein Workaround: keine perfekte Lösung, aber eine funktionierende.

Man könnte es als eine pragmatische Brückenform bezeichnen. Sie ist neutral, inklusiv und vermeidet Sonderzeichen – aber sie verschiebt die Bedeutung leicht. Bei manchen Partizipien würde diese Verschiebung nicht funktionieren: Niemand würde von Handwerkenden oder Führenden sprechen, weil es je nach Tätigkeit schnell unnatürlich oder gar ironisch klingt.

Dass sich der Begriff Mitarbeitende trotzdem durchgesetzt hat, liegt daran, dass das Wort eine Tätigkeit beschreibt, die sich gut verallgemeinern lässt. Wer «mitarbeitet», ist Teil eines Teams, einer Organisation, eines Prozesses – und das ist genau der Kontext, in dem der Begriff verwendet wird.

Kurz gesagt: Mitarbeitende ist kein sprachliches Ideal, aber eine inklusive und pragmatische Lösung. Sie vermeidet das generische Maskulinum, ohne den Lesefluss zu stören, und passt in die Schweizer Sprachpraxis, wo Genderzeichen wenig verbreitet sind.

Grammatikalisch gesehen ist Mitarbeitende kein Substantiv, sondern ein substantiviertes Partizip Präsens. Es beschreibt also jemanden, der gerade mitarbeitet – so wie Lernende, Reisende oder Suchende. Streng genommen bezeichnet das Partizip eine fortlaufende Handlung. Ein «Mitarbeitender» wäre also jemand, der im Moment mitarbeitet. Würde man den Gedanken ganz wörtlich nehmen, müsste man schmunzelnd fragen, ob jemand, der gerade Ferien hat, dann kein Mitarbeitender mehr ist.

Nahaufnahme einer vintage Schreibmaschine mit dem Wort „Grammar" auf dem Papier – symbolisiert die Bedeutung von grammatikalisch korrekter und bewusster Sprachnutzung in der Unternehmenskommunikation.

Sonderzeichen sind problematisch

Die korrekte gendergerechte Formulierung ist eine Frage der Methode: Mitarbeitende ist die einfachste und neutralste Variante. Alternativen sind die Doppelnennung («Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter») oder die Verwendung von Sonderzeichen wie dem Gendersternchen («Mitarbeiter*innen») oder dem Binnen-I («MitarbeiterInnen»). Die Wahl hängt vom Kontext und den Vorgaben ab.

Bei letzteren sind aber Sonderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt problematisch: Screenreader lesen sie mit («Mitarbeiter Stern innen»), was Menschen mit Sehbeeinträchtigung erschwerten Zugang verschafft. Und da Zeugnisse und offizielle Dokumente als Urkunden gelten, sind dort solche Schreibweisen ohnehin nicht zulässig.

Es ist jedenfalls so, dass Mitarbeitende sowie Angestellte  sogenannte substantivierte Partizipien sind, die in der Regel genau gleich wie ein Adjektiv gebeugt werden: Alle mitarbeitenden Menschen unterstehen … Die Firma versichert alle angestellten Leute. Mitarbeitende Menschen dürfen mitreden.

Wann «Mitarbeiterbefragung» trotzdem passt

Trotz dieser Entwicklung ist «Mitarbeiterbefragung» keineswegs falsch. Der Begriff ist im allgemeinen Sprachgebrauch in der Schweiz, Österreich und Deutschland weiterhin verbreitet. Für die Praxis bedeutet das:

Beispiel:

«Unsere Mitarbeitendenbefragung – auch bekannt als Mitarbeiterbefragung – zeigt, was Ihr Team wirklich bewegt.»

So bleibt der Text inklusiv und wird trotzdem von allen gefunden, die nach dem klassischen Begriff suchen.

Sprachlich korrekte Anwendung von «Mitarbeitenden»

Während Mitarbeiter ein Substantiv ist, funktioniert Mitarbeitende grammatikalisch als Partizip. Das hat kleine, aber wichtige Folgen für den Satzbau.

  • Grammatikalisch richtig: «Die Mitarbeitenden wurden befragt.»
  • Grammatikalisch falsch:  «Die Zufriedenheit der Mitarbeitender»
  • Grammatikalisch falsch «Die Entwicklung von Mitarbeitender»

Auch bei zusammengesetzten Begriffen gilt: Das Partizip bleibt unverändert, also «die Zufriedenheit der Mitarbeitenden», nicht «der Mitarbeitender».

Wer den Begriff bewusst verwendet, zeigt sprachliches Feingefühl – und signalisiert Wertschätzung gegenüber allen Beschäftigten, unabhängig von Geschlecht oder Funktion.

Genderstern, Doppelpunkt oder neutrale Form?

In Deutschland hat sich in vielen Organisationen der Doppelpunkt oder Stern (Mitarbeiter:innenbefragung) etabliert. In der Schweiz bevorzugen jedoch die meisten Unternehmen, Hochschulen und Medien neutrale Formen ohne Sonderzeichen. Das Bundesamt für Statistik, die SRG und viele Hochschulen verwenden konsequent Mitarbeitende, Studierende, Lehrpersonen oder Führungspersonen.

Diese Schreibweise ist stilistisch ruhiger und besser lesbar – besonders in längeren Texten wie Berichten oder Fragebögen.

Genderneutrale Sprache für Employer Branding und Recruiting

Die Art, wie ein Unternehmen spricht, sagt viel über seine Kultur und Werte aus. Junge Talente – besonders aus der Generation Z und jüngeren Millennials – achten genau darauf, ob Unternehmen ihre Werte tatsächlich leben. Inklusive Sprache ist dabei ein starkes Signal.

Unternehmen, die konsequent inklusive Sprache verwenden, signalisieren Offenheit und Progressivität. Das macht sie für junge Talente deutlich attraktiver. Eine Stellenausschreibung, die von «Mitarbeitenden» spricht, wirkt einladender auf alle Geschlechter als eine, die nur «Mitarbeiter» verwendet. Genderneutrale Sprache hat eine messbare Wirkung:

  • Attraktivität für Bewerbende: Jobsuchende fühlen sich von Unternehmen angesprochen, die sie in ihrer Sprache sichtbar machen. Das führt zu mehr qualifizierten Bewerbungen aus einem breiteren Talentpool.
  • Mitarbeiterbindung: Wenn Mitarbeitende sich in der Unternehmenskommunikation sichtbar und wertgeschätzt fühlen, steigt ihre emotionale Bindung an das Unternehmen. Das reduziert die Mitarbeiterfluktuation und spart Kosten für Neurekrutierungen.
  • Reputation und Sichtbarkeit: Unternehmen, die gendergerechte Sprache konsequent nutzen, werden von Diversity-fokussierten Plattformen und Arbeitgeberbewertungsportalen positiver bewertet. Das verbessert die Sichtbarkeit bei der Talentsuche.

Laut einer Studie der Universität Zürich (2023) bewerten 68 % der Befragten Unternehmen mit inklusiver Sprache als moderner und attraktiver. Gleichzeitig geben 72 % der Jobsuchenden in der Schweiz an, dass die Unternehmenskultur ein wichtiger Faktor bei der Jobwahl ist.

Die Forschung zeigt messbare Auswirkungen: Eine Studie ergab, dass Stellenanzeigen mit gendergerechter Sprache deutlich häufiger aufgerufen wurden als solche mit generischem Maskulinum. Eine weitere Studie basierend auf echten Nutzerdaten von der Recruiting-Plattform StepStone zeigt: Gendergerechte Sprache in Jobtiteln korreliert mit höheren Anteilen von Aufrufen durch weibliche Nutzerinnen. Die erfolgreichsten Formen waren dabei Jobtitel mit dem weiblichen Suffix wie „Lehrer/in“, gefolgt von Varianten mit Stern oder Doppelpunkt.

Interne Kommunikation und Zugehörigkeitsgefühl: Sprache prägt Wahrnehmung

Sprache prägt die Wahrnehmung – und unsere Wahrnehmung prägt das Verhalten. Wenn Mitarbeitende sich in der Unternehmenskommunikation nicht wiederfinden, kann das unbewusst ein Gefühl der Ausgrenzung erzeugen, selbst wenn es nicht beabsichtigt ist – was nicht nur ein emotionales, sondern auch ein strategisches Problem ist.

Die Verwendung von «Mitarbeitenden» statt «Mitarbeiter» hat konkrete Auswirkungen auf die interne Kommunikation:

  • Partizipation in Befragungen und Rücklauf: Mitarbeitende, die sich durch die Sprache angesprochen fühlen, nehmen eher an Mitarbeitendenbefragungen teil. Das kann zu besseren Rücklaufquoten führen.
  • Authentizität der Antworten: Wenn sich Mitarbeitende wertgeschätzt fühlen, geben sie ehrlichere und konstruktivere Antworten. Das führt zu besseren Daten für Entscheidungsträger und ermöglicht es dem Unternehmen, echte Probleme zu erkennen und zu adressieren.
  • Vertrauen in die Organisation: Konsistente, respektvolle Kommunikation stärkt das Vertrauen in die Befragung selbst – und damit in die Ernsthaftigkeit, mit der das Unternehmen Feedback einholt. Mitarbeitende spüren, ob Kommunikation sorgfältig und respektvoll gestaltet ist.

Studien zeigen: Eine einfache E-Mail-Einleitung zeigt den Unterschied: «Liebe Mitarbeiter, wir laden Sie zur Mitarbeiterbefragung ein…» kann sich ausschliessend anfühlen – besonders für Frauen und nicht-binäre Personen. Dagegen wirkt «Liebe Mitarbeitende, wir freuen uns auf Ihre Perspektive…» inklusiv und wertschätzend.

Compliance und rechtliche Aspekte von genderneutraler Sprache

In der Schweiz gibt es zwar keine gesetzliche Verpflichtung zur Verwendung von gendergerechter Sprache. Allerdings zeigt sich ein klarer Trend bei führenden Institutionen und Organisationen:

  • Das Bundesamt für Statistik (BFS) verwendet konsequent neutrale Formen wie „Mitarbeitende“ und „Studierende“.
  • Die SRG (Schweizer Radio und Fernsehen) hat gendergerechte Sprache in ihren offiziellen Richtlinien verankert.
  • Viele Kantone und Gemeinden nutzen bereits offizielle Sprachrichtlinien mit inklusiven Formen.
  • Führende Schweizer Hochschulen wie die Universität Zürich und die ETH verwenden gendergerechte Sprache als Standard.

Eine Studie zeigt, dass genderneutrale Jobinserate häufiger in egalitäreren Ländern mit höherer sozioökonomischer Geschlechterparität verwendet werden – und die Schweiz wird explizit als Land mit höherer Verwendung gendergerechter Sprache erwähnt.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer sich an modernen Standards orientiert, geht auf Nummer sicher. Gendergerechte Sprache ist kein Trend, sondern ein etablierter Standard bei führenden Organisationen. Unternehmen, die heute noch auf das generische Maskulinum setzen, riskieren, als veraltet wahrgenommen zu werden.

Empfehlung für Unternehmen

Für die Schweiz empfehlen Sprach- und Kommunikationsexpertinnen klar den Begriff Mitarbeitendenbefragung. Das ist grammatikalisch korrekt, wertschätzend und passt zu modernen Corporate-Language-Guidelines. Doch die Wahl der richtigen Sprachform ist weit mehr als eine stilistische Entscheidung – sie ist eine strategische Investition in die Unternehmenskultur, das Employer Branding und die organisatorische Glaubwürdigkeit.

Die folgende Übersicht zeigt, welche Sprachformen für Schweizer Unternehmen empfohlen werden und warum:

  • Offiziell und inklusiv: Mitarbeitendenbefragung

Dies ist die empfohlene Form. Sie ist grammatikalisch korrekt, vermeidet Sonderzeichen, funktioniert mit Screenreadern und schafft eine konsistente Wortfamilie (Mitarbeitendenzufriedenheit, Mitarbeitendenentwicklung, etc.). Sie signalisiert Modernität und Inklusivität.

  • Stilistisch weniger geeignet: Mitarbeiter:innenbefragung, Mitarbeitenden-Befragung, Mitarbeiter*innenbefragung: Diese Varianten sind problematisch, weil Sonderzeichen (Doppelpunkt, Bindestrich, Asterisk) von Screenreadern schwer lesbar sind, den Lesefluss unterbrechen und in der Schweiz nicht dem Standard entsprechen. Sie wirken zudem weniger professionell und konsistent.
  • Elegante Workarounds: Personalumfrage oder Befragung der Belegschaft: Diese Alternativen sind neutral und funktional, wirken aber weniger persönlich und direkter. Sie können als Ergänzung verwendet werden, sollten aber nicht die primäre Form sein.

Die Entscheidung zwischen Mitarbeiterbefragung und Mitarbeitendenbefragung ist keine reine Stilfrage, denn Sprache spiegelt Haltung. Wer konsequent inklusiv formuliert, zeigt Sensibilität, Offenheit und Respekt gegenüber Menschen und Mitarbeitenden. Dies gilt für die Kommunikation nach innen und die Kommunikation nach aussen.

Besonders in HR-Dokumenten, Befragungen und offiziellen Unternehmenskommunikationen ist diese Genauigkeit ein Zeichen von Sorgfalt und Respekt. Sie zeigt, dass das Unternehmen nicht nur von Inklusion spricht, sondern sie auch lebt.

Beitrag veröffentlicht am 9. Dezember 2025

Über Dr. Kathrin Neumüller
Kathrin Neumüller, Co-Geschäftsführerin, hat welliges blondes Haar und trägt einen marineblauen Blazer über einem weissen Hemd. Sie lächelt selbstbewusst und steht in einem modernen Büro mit grossen Fenstern im Hintergrund.

Dr. oec. HSG Kathrin Neumüller ist Co-Geschäftsführerin bei ValueQuest und Expertin für Mitarbeiterinspiration und Empowerment. Daneben unterrichtet sie im MBA strategisches Management an der ZHAW. Sie promovierte an der Universität St. Gallen (HSG) und studierte an der University of Cambridge. Erfahren Sie mehr über Kathrin

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