Die Herausforderung
Ende 2022 war die Lage an der PH Schaffhausen äusserst angespannt: Studierende wie Mitarbeitende meldeten sich mit massiver Kritik an der Hochschulleitung zu Wort. Interne Kommunikation, Studienorganisation und Führungsverantwortung wurden als unzureichend bewertet, das Vertrauen in die Institution war erschüttert. Die anonyme Mitarbeiterbefragung, die 2023 mit ValueQuest durchgeführt wurde, bestätigte die Krise: Nur 17 % der Studierenden empfahlen die Hochschule weiter, das Vertrauen in die Leitung lag bei mageren 38 von 100 Indexpunkten (entsprechend einer ungenügenden 2.9 auf der Schweizer Schulnotenskala). Die Ergebnisse markierten einen Tiefpunkt.
Unsere Lösung
Prozentpunkte bei Kommunikation
Kommunikation stark verbessert – Leitung gilt heute als offen und transparent.
Prozentpunkte bei Veränderungskultur
Veränderungskultur etabliert – Wandel wird aktiv gestaltet und positiv erlebt.
Personen, die an der Befragung teilnahmen
Dozierende, Mitarbeitende und Studierende nahmen an der Online-Befragung teil.
«Eine Hochschule lebt vom Dialog. Nicht nur mit Studierenden, sondern auch intern mit den Mitarbeitenden und Dozierenden. Die anonyme Mitarbeitendenbefragung von ValueQuest war für uns ein zentraler Schritt, um zu erfahren, wie die Mitarbeitenden ihre Arbeit wirklich erleben.»

Prof. Dr. Thomas Hermann
Rektor Pädagogische Hochschule Schaffhausen (PHSH)
Interview mit Prof. Dr. Hermann
Mit Professor Dr. Hermann, Rektor an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen (PHSH), sprach Andrea Schön.
Herr Hermann, warum hat sich die PH Schaffhausen 2023 zum ersten Mal für eine Mitarbeitendenbefragung mit einem externen Anbieter entschieden?
Auslöser für die Befragung 2023 war eine hohe Unzufriedenheit unter den Mitarbeitenden und den Studierenden. Der Unmut richtete sich vor allem gegen die damalige Hochschulleitung und der Art und Weise, wie sie Umstrukturierungen angepackt haben. Der Hochschulrat wollte der Sache auf den Grund gehen und Fakten schaffen über das Ausmass und die Gründe der Unzufriedenheit.
Inwiefern hat die Mitarbeiterbefragung von 2023 dazu beigetragen, wichtige Stärken und Schwächen in unserer Organisation sichtbar zu machen?
Die Ergebnisse waren durchs Band alarmierend: Das Vertrauen in die Hochschulleitung war auf einem Tiefpunkt, die Motivation der Mitarbeitenden ebenso. Die interne Kommunikation wurde sehr schlecht bewertet. Es fehlte an einer organisierten Mitwirkung durch das akademische und administrativ-technische Personal. Kritisiert wurden auch die Organisationsstruktur und die Infrastruktur.
Was hat Sie 2023 besonders überrascht oder zum Umdenken gebracht, als Sie die Ergebnisse zum ersten Mal gesehen haben?
Erstaunt hat mich, dass einzelne Verantwortliche an der Hochschule versucht haben, die kritischen Resultate zu relativieren, anstatt sich vertieft mit den nötigen Massnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Motivation auseinanderzusetzen.
Gab es Massnahmen, die direkt aus der Mitarbeiterumfrage 2023 abgeleitet wurden, und wie wurden sie von den Mitarbeitenden aufgenommen?
Da nach Bekanntgabe der Resultate die damalige Rektorin und etwas später auch ein Prorektor entschieden haben, die PHSH zu verlassen, kam es zu einem Führungswechsel. Zudem hat der Hochschulrat aus den Umfrageergebnissen sechs Handlungsfelder abgeleitet und der neuen Hochschulleitung den Auftrag gegeben, einen Massnahmenplan zur Bearbeitung der Handlungsfelder auszuarbeiten.
Welche waren das?
Die Handlungsfelder betrafen die Themen Vertrauensaufbau, Kommunikation, Mitwirkung, Hochschulkultur, Organisation, Führungskultur. Durch den Zuzug eines externen Coaches und durch eine transparente Kommunikation der neuen Hochschulleitung sowie dank der raschen Einführung partizipativ gestalteter Entscheidungsprozesse konnte das Vertrauen rasch wieder aufgebaut werden.
Zwei Jahre nach der Erstbefragung haben Sie die Mitarbeiterbefragung wiederholt – und das mit einer lobenswerten Verbesserung.
Absolut! (lacht) Wir können heute mit Stolz auf das Erreichte zurückschauen und sogar erste Früchte unserer Anstrengungen ernten: 2025 konnte die PHSH einen neuen Anmelderekord verzeichnen. Besonders erfreulich ist die Resonanz auf den neuen berufsintegrierten Studiengang 27+, der ab Herbst 2025 angeboten wird. Das flexible Studienmodell richtet sich an Personen ab 27 Jahren mit Berufserfahrung – 13 Anmeldungen zeigen bereits zum Start ein grosses Interesse.
Welche konkreten Massnahmen und Veränderungen haben Ihrer Meinung nach am meisten zur Verbesserung der Motivation und der Arbeitsplatzzufriedenheit unter Mitarbeitenden und Dozierenden beigetragen?
Am wichtigsten war aus meiner Sicht das anhaltende Dranbleiben in den sechs Handlungsfeldern. Am Anfang konnte mit einer Änderung des Kommunikationsstils und mit urteilsfreiem Zuhören viel Goodwill geschaffen werden, doch dann brauchte es rasch spürbare Veränderungen in allen Bereichen. Wichtig war etwa, dass wir einige Schlüsselstellen mit Leuten besetzen konnten, die den neuen Führungs- und Kommunikationsstil von Anfang mitgetragen haben und so rasch das Vertrauen der Mitarbeitenden gewinnen konnten. Da 2023 vieles im Argen lag, war die Massnahmenliste entsprechen lang. Wir haben dem Kollegium von Anfang an eine weitere Befragung im Frühjahr 2025 in Aussicht gestellt, deshalb war es uns wichtig, bis zur zweiten Befragung möglichst viele Massnahmen spür- und messbar umzusetzen, was uns zu einem grossen Teil gelungen ist. Dies haben die Kolleginnen und Kollegen gespürt und in der zweiten Umfrage entsprechend honoriert.
Wie hat die anonym durchgeführte Umfrage das Vertrauen der Mitarbeitenden in die Leitung gestärkt?
Die Erwartungen an die erste Umfrage 2023 waren sehr hoch. Die Mitarbeitenden sahen die Befragung als grosse Chance, um anonym ihr Befinden auszudrücken und Veränderungen zu erwirken. Dass die Ergebnisse vom Hochschulrat und der neuen Hochschulleitung so ernst genommen wurden, hat sowohl das Vertrauen in die Leitung wie auch in die Befragungsmethode gestärkt.
Inwiefern hat die Mitarbeiterumfrage zur langfristigen Organisationsentwicklung Ihrer Hochschule beigetragen?
Da erst zwei Jahre seit der ersten Befragung vergangen sind, ist es zu früh, um etwas über die langfristigen Folgen zu sagen. Es ist aber die feste Absicht der Hochschulleitung, nach den sehr guten Umfragewerten von 2025 weiter an den bisherigen Handlungsfeldern dranzubleiben, um das Erreichte weiter zu festigen. Ausserdem wollen wir den Aspekten, die in der aktuellen Befragung als mögliche Demotivationsfaktoren aufscheinen, vermehrt Aufmerksamkeit schenken.
Welchen Rat geben Sie anderen Organisationen, die mit niedrigen Ergebnissen konfrontiert sind und Massnahmen für Verbesserungen umsetzen?
Die Ergebnisse müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Es dürfen keine Schuldzuweisungen an Mitarbeitende, an äussere Umstände oder an Dritte gemacht werden. Es gilt, Verantwortung für die Situation zu übernehmen. Die Resultate sollen analysiert und die Probleme beim Namen genannt und kommuniziert werden. Neben Sofortmassnahmen wie z.B. einer offenen, transparenten Kommunikation, die Vertrauen schaffen kann, sollen längerfristige Massnahmen entlang von definierten Handlungsfeldern geplant und nach einem realistischen Zeitplan umgesetzt werden. Wo immer möglich werden Mitwirkungsgremien in die Entscheidungsvorbereitung einbezogen. Über sämtliche (Fort-)Schritte wird informiert.
„Die ValueQuest-Befragung hat nicht nur ein Stimmungsbild geliefert, sondern uns auch geholfen, unsere Führungskultur kritisch zu reflektieren und konkrete Massnahmen anzustossen, die heute Wirkung zeigen.“
Gab es für Sie persönlich einen besonderen Moment, wenn Sie auf die letzten zwei Jahre zurückblicken?
Für mich waren die ganzen zwei Jahre eine besondere Zeit mit zahllosen besonderen Momenten. Bei der Präsentation der erfreulichen Resultate der Befragung von 2025 vor dem Kollegium, hat es mir einen Moment lang die Stimme verschlagen. Dass unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Hochschulkultur und der Motivation vom Kollegium mit derart guten Werten honoriert worden sind, hat mich sehr gerührt und gefreut.
Welche Empfehlungen würden Sie anderen Bildungseinrichtungen geben, die den Schritt zur externen Mitarbeitendenbefragung noch nicht gewagt haben?
Periodisch durchgeführte Mitarbeitendenbefragungen sind aus meiner Sicht ein wichtiges Führungsinstrument und Teil eines seriösen Qualitätsmanagements. Sie gewähren der Hochschulleitung ein differenziertes Stimmungsbild und sensibilisieren für gewisse blinde Flecken. Der Vergleich der eigenen Werte zu den Referenzwerten anderer Bildungsinstitutionen zeigt einem, wo die eigene Institution steht. Die Resultate helfen mit, Hochschulentwicklung evidenzbasiert und zielgerichtet voranzutreiben.
Danke für das Gespräch, Herr Hermann.
Wir haben zu danken!
Fazit
Die PH Schaffhausen hat eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben. Berichtete das SRF 2023 noch von «massiven Führungsproblemen» und Tiefstwerten in den Bereichen «Gemeinsame Kultur», «Fairness und Verantwortung» sowie «Strategie und Leitung», beweist die Hochschule heute, was möglich ist, wenn man Feedback ernst nimmt und konsequent handelt. Besonders deutlich verbessert haben sich:
- der freundliche, respektvolle Umgang (+45 Indexpunkte)
- die Wahrnehmung der Veränderungskultur (+40 Indexpunkte)
- sowie die Kommunikation der Hochschulleitung (+56 Indexpunkte)
Die PH Schaffhausen sendet damit ein starkes Signal an die Schweizer Hochschullandschaft: Selbst in einer schwierigen Ausgangslage kann eine konstruktive, inspirierende Hochschulkultur entstehen, wenn der Wille zur Veränderung da ist. Das wirkt sich auch positive auf die Anmeldezahlen aus. So konnte die Hochschule 2025 einen neuen Anmelderekord verzeichnen.











